Server ungenutzt: Was tun?

Boinc Logo Es hat sich ergeben, dass ich aus Kostengründen von Cloudsigma zu DigitalOcean gewechselt habe. Bei letzterem Provider gibt’s für das gleiche Geld fast viermal mehr Power, oder eben für weniger Geld die gleiche Power. Die Altjahreswoche bot sich für eine ausfallfreie Migration an, jetzt sitze ich jedoch auf einem Server und Restguthaben für über 200 Tage. Was tun mit einem Server, der zwar bezahlt ist, aber nicht mehr eingesetzt werden kann? Bitcoins generieren? Nein. Ich glaube da gibt es bessere Alternativen.

Als erstes versuchte ich natürlich, das Restguthaben und das Guthaben für die reservierte Hardware wieder zurück zu bekommen. Doch das geht nicht bei CloudSigma, wie mir mitgeteilt wurde. Ist auch irgendwie verständlich – Schliesslich habe ich die Hardware für 365 Tage reserviert. Nun sitze ich auf 1.2 GHz, 1.2 GB RAM und einer 8 GB SSD für 210 Tage und auf 22.10 CHF Restguthaben. Mit dem Guthaben kann ich die Hardware des einen Servers, den ich dort betreibe für etwa zwanzig Tage verdoppeln oder Kurzzeitig eine ziemlich starke Maschine starten.

Das allergrünste was ich tun könnte wäre, den Server auszuschalten und auf die Kohle zu verzichten. Doch das bringt nicht ganz so viel wie man vermutet, da die dicken Hostserver, auf denen all‘ die virtuellen Cloud-Server laufen trotzdem läuft. Die Hardware (Also die physikalischen Prozessoren, der Arbeitsspeicher und die SSDs) läuft, hat aber minimal weniger zu tun. Das kleine bischen Strom, das man da sparen könnte ist die umgerechneten ~300.00 CHF Verlust nicht wert. Man könnte jetzt natürlich diese modernen Bitcoins berechnen – Doch auch das bringt nicht viel. Mit der Hardware die mir zur Verfügung steht, könnte ich da vielleicht zwei oder drei Rappen (umgerechnet) generieren. Ziemlich zwecklos.

Krebs- und Klimaforschung mit BOINC

Für die, die BOINC (Berkeley Open Infrastructure for Network Computing) nicht kennen: Es handelt sich dabei einfach gesagt um eine Software, welche die Hardware eines Computers oder neu auch eines Android fähigen Device im Leerlauf nutzt um komplexe Berechnungen für die Forschung durchzuführen. Eine Art Crowd-Sourced Supercomputer. Ich selbst bin dort seit langem Mitglied. Früher habe ich da mal nach Aliens gesucht (SETI hiess das Projekt, keine Ahnung ob es das noch gibt). Heute bin ich Mitglied beim World Community Grid, welches Projekte zur Krebs- und Klimaforschung unterstützt. Das Projekt alleine stellt täglich sage und schreibe 246 Jahre CPU-Zeit zur Verfügung.

Auf Windows und Android gibt es dafür eine grafische Oberfläche, auf Linux (Zumindest Ubuntu) nur ein Tool für die Command-Line. Falls jemals jemand versucht herauszufinden, wie man das World Community Grid Projekt auf einem Ubuntu Server zum laufen kriegt, hier eine kurze Anleitung.

Als erstes installiert man den Client:

sudo apt-get install boinc-client

Danach den Account Key abholen:

boinccmd --lookup_account http://www.worldcommunitygrid.org benutzername passwort

Danach sollte eine Zeichenkette von 32 Zeichen ausgegeben werden. Diese in folgendem Befehl mit dem Beispiel 1234567890abcdef1234567890abcdef ersetzen:

boinccmd --project_attach http://www.worldcommunitygrid.org 1234567890abcdef1234567890abcdef

Jetzt noch das Projekt updateen, damit es „sofort“ mit der Arbeit beginnt:

boinccmd --project http://www.worldcommunitygrid.org update

Nun kann man den Status prüfen, und sollte bereits festellen, dass ein Download gestartet wurde oder die Arbeit bereits aufgenommen wurde:

boinccmd --get_state

4 Gedanken zu “Server ungenutzt: Was tun?

  1. Übrigens: Ein Bericht über die Erfahrungen mit Cloudsigma und DigitalOcean wird auch bald folgen. Einfach damit die Welt auch weiss, warum ich den Umstieg gemacht habe. Es ging dabei nämlich nicht nur ums Geld 🙂

    • Mh, gibt es den Erfahrungsbericht eigentlich inzwischen irgendwo? Mich würden nämlich Erfahrungen zu CloudSigma schon noch interessieren… Ein Vorteil zu DigitalOcean ist ja doch, dass CloudSigma in der Schweiz sitzt und Server in der Schweiz im Angebot hat (falls man darauf angewiesen ist).

      • Ja, in aller Kürze: Ich hatte mit CloudSigma nur Probleme. Sehr oft Networking Latenzen zwischen Servern und öfters mal komplette Ausfälle von Harddisk Arrays mit einigen Stunden Downtime und teils irreparablen Schäden. Mag heute ev. besser sein, ausserdem ist der Preis seit damals deutlich gesunken. CloudSigma ist nun nicht mehr viel teurer als Amazon, aber immer noch etwa 2-3x so teuer wie DigitalOcean, mit dem Unterschied, dass man dort die Grösse der Hardware (CPUs, RAM, SSD) frei definieren kann. Wir hosten derzeit alle unsere Server und Cluster noch bei DigitalOcean überlegen uns aber, CloudSigma wegen dem Standort Schweiz in naher Zukunft nochmal eine Chance zugeben, gerade weil sie preislich attraktiver wurden.

  2. Das nenn ich aber ein sinnvoller Einsatz eins sonnst ungenutzten Rechners, tolle Idee.

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